Hi Ihr!
Unsere Umkehrung der mythisch-religiösen Weltentstehungstheorie, wie sie in der christlichen Kunst des Abendlandes vorwiegend verbreitet wurde, hat offenbar voll eingeschlagen und brachte uns zig Likes, Fanpost und insgesamt große Zustimmung. Die Illustration aus dem Hortus Deliciarum, immerhin ein gezielt didaktisch gedachtes Buch, das zur Vermittlung der christlichen Lehre geschaffen wurde, ist aber auch sehr eindeutig in der Bildgebung, wenn auch voller Irrtümer in den lateinischen Texten. Naja - auch wir Häschen sprechen lieber Kaninisch!
Und ja - die schönen Bildwelten sind auch Beispiele dafür, dass die Entstehung von Wesen und Dingen schnell durch das Leben in Mythologien versenkt werden - zum Vorteil, manchmal aber auch zum Nachteil der beteiligten Geschöpfe - sodass es zumindest ein eindeutiger Vorteil ist, wenn man seine Entstehungs- und Lebensgeschichte selbst schreiben kann - schreiben, übertreiben, verzieren, verkürzen, würzen und servieren!
Wir hatten deshalb als Adventiteam mit der Benji-konnoktierten Nachfolgerin Pluppsi beschlossen, dass wir unser Geburtsjubiläum mit einem 24-stündigen Biografie-Event feiern - im Illyischen Wald mit Berichten und Mythen darüber in aller Welt und für alle Welt.
Alle Adventis, einschließlich meiner Mami Hoppilina Adventi waren damit einverstanden, dass ich als erfahrenste Biografin mein Buch vorlese und die verschiedenen Mirimedien (Kalender, Bilder, Filme, Postkarten), die zu meinen Lebzeiten entstanden sind, um für das Leiden angeblich einfacher Wesen zu sensibilisieren und uns zu beliebte angebliche Kuscheltiere wenigstens die zum Überleben erforderlichen Persönlichkeitsrechte zurückzugeben. Hoppiline berichtete von ihrem glücklichen Leben als Sportkaninchen und Mutter von uns acht Adventis. Für begeistertes Gelächter insbesondere unter Sportkaninchen sorgte sie mit ihrer Erzählung von einer Europameisterschaft, auf der unser Hasjiom ihr einen zusätzlichen Start erkämpfte, und sie vor einem fehlerfreien Sprung ihre Pfote auf die Stange legte, um die Sprungweite genau zu prüfen! Leider wurde sie dann disqualifiziert, aber alle Häschen und das Publkum bewunderten sie für ihre umsichtige Vorgehensweise.
Naja, also ich, die Miri, bin immer etwa höher und weiter gehüpft als nötig - bis ich dann diesen schrecklichen Unfall hatte - der nur wegen der schrecklichen politischen Lebensumstände unseres autonomiebetonten Emanzipations-Hasijoms und des resultierenden Totalversagens der Ärzte und Kliniken, in denen ich behandelt und operiert wurde zu totalem Chaos führte.
Trotzdem ging es mir dann noch ziemlich gut mit viel Aufmerksamkeit, Cashewkernen und Papayawürfeln, und meine traumatisierenden Erlebnisse konnte ich in meinem berühmt gewordenen Miriblog mit euch lieben Leserinnen und Lesern verarbeiten.
Gemeinsam mit Hoppilina und Rati, deren Krebs von den Ärzt:innen abgestritten wurde, und Plurabelle, die brutalem, gewichtsbedingtem Bashing durch Ärzte ausgesetzt war, haben wir die Ergebnisse einer kleinen Studie im Illysischen Wald über Krankheiten, Diagnosen und Behandlungen von einigen Kaninchen hier im Illysischen Wald vorgestellt. Es ergab sich, dass die Tiermedizin Kaninchen gegenüber zwar freundlicher geworden ist, aber uns weiterhin als quasi identisch mit unseren sogenannten Besis betrachtet - stellt dich also eine Kindergruppe von Fünf- bis Achtjährigen oder einen vermeintliche Mutter vor, weil du teilnahmslos rumsitzt, hast du Bauchschmerzen. Du wirst dann zudem noch zur Veranschaulichung des Fiebermessens beim Kaninchen missbraucht, deine Werte sind aber mit Sicherheit harmlos, selbst wenn sie bei 35 oder 45 Grad liegen. Es möchte ja niemand deine Besigruppe erschrecken!
Bei qualifizierten Ärzt:innen wird man dir auch noch den Mund aufsperren und die Zähne putzen oder Fehlstellungen monieren. Zahnspangen gibt es aber noch nicht.
Auf jeden Fall landest du auf der Waage und musst dir unendliche Tiraden über angeblich überflüssige Pfunde anhören - von Menschen, die unter ihrer Diät leider oder von Menschen, die den ganzen Tag damit beschäftigt sind, Kalorien zu verschwenden.
Kommst du mit Kastrationswünschen, bist du schnell wieder hergestellt als männliches Jungtier, solltest aber mindestens eine vier wöchige Verehrungsphase mit vielen Stoßgebeten für Artemis einlegen, wenn du eine Häsin bist.
Forschung über Krankheiten, die uns wirklich betreffen, wie rätselhafte Fettsucht und Gewichtszunahme auch bei ganz wenig Futter, extreme Kälteempfindlichkeit und Krebsvorstufen, sowie die diversen Keimbahnen und die Empfindlichkeiten von Magen und Darm, findet nicht statt, weil uns kaum jemand nach unserem Tod näher anschaut. Die sechsmonatig gestorbenen Junghasen, die unter menschlicher Schreckensherrschaft geboren werden, um schnell wieder zu sterben und die semikannibalischen Triebe der Menschen zu unterstützen, gelten deshalb als Maßstab - auch in anatomischen Lexika. Dabei wachsen wir zwei Jahre lang und sehen als ausgewachsene Hasen ganz anders als solche "Gerade-formal-nicht-mehr Jungtiere".
Die betroffenen Kaninchen, die in diesem Alter industriell ermordet wurden, erzählten von ihren Erlebnissen, dem friedlichen Zusammenleben und dem lustigen Herumtollen aufeinander- und durcheinander, das ihnen manchmal Hunger und Enge und Ungemütlichkeit erträglich erscheinen ließ.
Pluppsiline hat mittlerweile im Illysischen Wald nicht nur Benji wiedergetroffen, sondern auch ihre Geschwisterchen und noch mehr Halbgeschwister. Die meisten waren leider viel kleiner und jünger als sie und schon einige Jahre im Illyischen Wald, mit ihrem kurzen Leben versöhnt und stieläugig, als sie Pluppsine mit ihrem gewaltigen Plurabellinischem Körper heranhoppeln sahen.
Zusammen mit ihren Geschwistern vom 20. März 2021 stellten sie den anderen Partygästen im Illyischen Wald das Leben der Wildkaninchen vor und die fiesen Gefahren, die vor allem durch die Menschen für sie entstehen - von Zahnschäden durch Metallgitter im Wald bis zu Leid und Tod durch in ihre Geburtshöhle gesetzte, von den Menschen zu Gewalt erzogenen Frettchen und Hunden, denen ihr Job zwar peinlich ist, die aber selber unter dem Jägerstiefel stehen und Angst haben, nur noch Haferflocken essen zu dürfen, wenn sie die Blutspur von nur ein paar Wochen alten Jungkaninchen nicht verfolgen und es nicht tödlich oder nur bestialisch gebissen zurückbringen.
Dann folgten aber auch Bildvorträge mit Zeichnungen und Gemälden aus eigener Pfote, die unser wildkaninisches, emphatisches Naturerleben, die wunderschönen Waldgeräusche, das saftige Grün und die kräftigen Brauntöne und die erquicklichen und spannenden Gerüche um uns herum synästhetisch darstellten. Die warme Sommernacht, Mondschein und der taufrische Morgen ließen den Wildkaninchen, die ihre Umgebung eine Zeitlang so erlebt hatten, die großen Augen leuchten. Romantisch berührt bestätigten die Wohnungskaninchen, dass auch sie bei dem nächtlichen Blick an den Sternenhimmel, wenn gelegentlich möglich, solche Wunschbilder vor sich sahen.
Schließlich lösten wir die Vortragsstruktur unserer großen Gedenkfeierlichkeit auf und gingen zur Party im engeren Sinne über, mit Miray und Benjay als RapperInnen *BlackSunshine* - die berühmten Songtexte der beiden kennt ihr ja sicher von unserer Blogseite hier (gt). Dann führte Pluppsiline, die in ihrem Leben zwar von ihrer Jungtierathrose geheilt wurde, aber durch andere schleichende Krankheiten an der Entfaltung ihrer Bewegungsfreude gehindert war, eine Kombination vom Servieren ihrer neuesten Dessertkreation (Ananaswürfel-Muffin mit Kürbiskernmus) und orientalischem Bauchtanz vor. Obwohl Pluppsi mit ihren gelegentlichen Benjidates und als Küchenchefin des Illysischen Waldes alle Pfoten voll zu tun hat, konnten Flora Luminis, unsere Hochbegabte und Naturheilkunde-Begeisterte und Adventi, die mittlerweile Expertin für die Kaninchen im Alten Ägypten ist, sie dafür begeistern, Bewegungsrituale, Tanz und Theater berühmter Kaninchenkulturen zu studieren.
Mit Pluppsis Bauchtanz, herumfliegenden Muffins und den jubiläischen Partydrink-Elixieren von Flora Luminis gerieten dann alle Partygäste in Kaninchensport- und Tanzstimmung, hüpften wild herum, muffinisierten aneinander, tanzten auf den Vorder- und auf den Hinterbeinen,sprangen übereinander, hüpften, schmatzen, drehten die Ohren, kicherten, kreischten und rabbten, bis irgendwann mitten in der Nacht immer mehr und mehr Hasis an den Wiesenrändern einschliefen, in die Höhlengänge rollten und übermüdet in ihre Zimmer geschoben werden mussten und schließlich bei Tagesanbruch alle schliefen.
Leider gibt es keine Fotos die unsere Feierlichkeiten direkt zeigen würden, aber freundlich gesinnte Vögel, wie zum Beispiel Anselmus und Anselma, die auch im Garten der Adventis und Plurabellinen wohnen, und zahlreiche Mäuse, die unsere Wiesen und Höhengänge von den Muffinresten befreiten, haben ihre Eindrücke für euch gesammelt und sind bereit, sie in alle Welt zu tragen und weiter zu erzählen - auch als Trost für lebende Kaninchen, die an schweren Krankheiten leiden und Angst haben vor dem kaninischen Nachleben....
LOVE
die Miri
p.s.: Natürlich waren auch Anna Schelm, Florimaus und das Hasjiom auf unserer Party, aber erst später nach den Vorträgen und nachdem es Hupps Buh mit einer besonders raffiniert ausgestatteten Traumwolke gelungen war, ihnen mentalen Zugang zu ermöglichen! Floriline kann auch bereits wieder etwas mithoppsen, hat aber noch starke Rückenschmerzen bei Belastung. Ein Belastungskilo ist schon weg! Anna Schelm geht es super, seit die Ernährung auf sieben Zentimeter breite Kohlrabiblattstreifen umgestellt wurde - auch bei uns - Idee von ....PLUPPSI! - die riesigen Blätter, die beim Zernagen wild von links nach rechts pendeln und dir im Sommer frische Luft zufächeln, essen wir nur noch ausnahmsweise und zum Spaß.