Hi ihr Lieben,
hier euer Schlemchen Anna iocans, die Kabelfutternde, überall buddelnde Garten- und Innenarchitektin!
Gerade konnte ich es noch so eben abwenden, dass das tippende Hasijom meinen strenggenommen rein kaninischen Bocksgesang in eine politische Anspielungsfläche umwandelt.
Das könnte nämlich irreführend sein, da wir gegen Kohlrabiblattgrün nichts einzuwenden haben. Als Feinstaub betroffene Gesundheitsgeschädigte wünschen wir uns sogar sehr viel soviel wie möglich Grün+Rot und mehrheitlich Rotgrün in der Regierung. Worauf das Hasijom und wir als von der Gunst der flachgesichtigen Umwelt Abhängige abzielten, war die Länge eines Kohlrabiblattes. Das Hasijom meinte, es wäre in den letzten Fernsehrunden sehr gut sichtbar gewesen, wer durch Überlänge auffiel - und damit zu einem Synonym (etwas Gleichbedeutendes) für Unverdaulichkeit und Magenschmerzen wurde - vermutlich nicht nur für mich, eure Schelmin Anna Iocans. Hä? - Nein - alles endlich glasklar!
Unsere Kohlrabiblätter werden seit einigen Wochen quer in Streifen geschnitten. Klar, das Hasijom spinnt total und parfaitiert bald noch unsere Möhren? Weit gefehlt! Es hat sich gezeigt, an meinem Beispiel, dass die sehr strukturreichen Kohlrabiblätter, die wir leidenschaftlich gerne essen, eine starke Belastung entweder für unsere Backenzähne oder unsere Verdauung sind
Ich bin als Hasi ein eher hektischer Typ. D.h. ich hüpfe überall rum, ständig hin und her, drehe und wende mich selbst wenn ich schlafe, buddele unentwegt und knabbere an allem und jenem (insbesondere auch sehr katermäßig an den Füßen unseres Hasijom, die manchmal im Weg stehen, wenn das Frühstück serviert wird, oder verhindern, dass das Abendessen zu uns runter gebracht wird von Oberhalb-der-Füße. Dann kreischt und schimpft das Hasijom laut und ich hüpfe mit einem Mischgefühl von Grusel- und Kicherkrampf weg (hihi). Aber auch Floriline geht manchmal auf die Füße los, dieaber auch echt komisch aussehen können und manchmal sogar wie Kaninchen mit echtenSteh- oder Schlappohren, aber ohne richtige Beine, und trotzdem hüpfen sie undspringen plötzlich nach vorne. Gruselig!
Zurück zu den Kohlrabiblättern. Also ich liebe Kohlrabiblätter, Flori liebt Kohlrabiblätter, Pluppsi liebte Kohlrabiblätter, die Adventis liebten Kohlrabiblätter. Nur ich hatte immer Bauchschmerzen.rch
Schreckliche Bauchschmerzen. Es fühlte sich so an, als würde jemand einen Draht quer durch meinen Bauch schieben, durch den Zwölffingerdarm (den ihr ja jetzt von meiner Sensationsop aus direkter Anschauung kennt, das arme Ding), durch den Dünndarm, den Blinddarm und den Dickdarm und dann als riesige, gemeine Köttelkette komplett raus.
Das ging mir ganz ganz lang so. Sobald ichetwas gegessen hatte, ca eine halbe Stunde später, schreckliche Schmerzen. Oder mal ein paar Tage alles gut, dann aber wieder grausige Schmerzen. Und Köttelketten.
Wir haben dann eigentlich immer alles ausprobiert: Entwurmung - kam gut an, änderte aber nichts. Zwei wissenschaftliche Untersuchungen ergaben: Kein Wurm in Anna Schelm.
Teppichfressen: Igitt! Zwar esse ich Kabel und Giftpflanzen, alles was sich in der Gartenerde befindet, ab und zu Flori (bis vor der OP - mittlerweile bin ich vorsichtiger, weil Flori die Kraft der Kilos entdeckt hat und sich wie eine Kugelbombe auf mich wirft....- ich aber immer Angst habe, dass sich pötzlich mein Bauch wieder öffnet und alles was reingehört, rausfällt) und eben die komischen Fße vomHasijom, wenn sie mir quer kommen oder in unserem Esszimmer rumstehen - aber keine Teppiche!
Das textile Wohnen lieferte also keine Erklärung für mein Bauchschmerzproblem.
Unser Hasijom überlegte, ob Darmkrebs - aber seit meiner KastrationsOP sind die Wassereinlagerungen verschwunden, wenn ich eine Art Vorkrebs hatte (innergeweblich nennt man das bei den Humanis), dann vermutlich nur in der Gebärmutter und den Eierstöcken. Man kann auch nix Neoplastisches (= dicke Kugeln ohne anatomische Notwendigkeit) fühlen.
Ab und zu schleudere ich auch superflüssige Matschköttelsoße herum - das aber nur, wie sich herausgestellt hat, wenn ich beim Buddeln zuviel aggressiven Dreck zwischen die Zähne bekommen habe. Das ist dann schnell wieder weg bzw. auf dem Teppich oder mitunter sogar in der Einstreu und kein Anna Schelmenproblem mehr.
Eine Tierärztin diagnostizierte mir mal eine Zahnfehlstellung.Das war schon wichtiger - und sehr einschneidend. Seitdem nämlich reduzierte das Hasijom unsere Ananaspellets, ersetzte sie manchmal sogar komplett durch Papayapellets oder Apfelchips. Die Ananaspellets helfen sagenhaft gut und sehr enzymatisch beim Verdauen, sind aber auch ziemlich aggro gegenüber Calzium, was für Zähne und Zahnschmelz nicht ideal ist.
Das brachte aber alles erstmal nichts! Es ging weiter mit den Bauchschmerzen und den unerklärlichen Köttelketten (Florimaus ist kurzhaarig, genau wie ich, also auch keine Verursacherin durch Fellhaare, die sie mir heimlich ins Futter mischt oder so ähnlich).
Unsere Kaninchenzähne wachsen ja bekanntlich ständig nach und müssen immer abgeschliffen werden. Wir haben alle perfekte Vorderzählen - also kein grundsätzliches Problem. Aber die Backenzähne sind irgendwie stark belastet - obwohl unsere Pellets sogar zerklopft werden und wir vor allem Gemüse und Obst essen.
Wir schwärmen zwar von den Ananasleckerlies, aber sie spielen keine wirklich große Rolle in unserem Menüplan.
Gemeinsam achten wir darüber nach, wie wir uns als Wildkaninchen im Wald ernähren würden: Zweige abknipsen und Tannennadeln essen. Blätter abknipsen. Graswurzelnabknipsen. Es wird alles Lange abgeknipst und dann jeder einzelne Halm der Länge nach gefuttert. So wie wir es auch mit Kohlrabihalmen machen.
Das Besondere an unserem WildeHauskaninchenFutter war also das breite, bereits abgeknipste Kohlrabiblatt. Das können wir ja, insbesondere wenn wir sehr besonders verfressen sind bzw. leidenschaftlichen Appetit haben, zur Hälfte ins Maul stopfen und dann sowohl zergehen lassen also auch langsam zermalmen und zermümmeln.
Pluppsine z.B. machte das so, dass sie die Ränder benagte, so schnell, dass sie das Abgenagte nicht gleich verschlucken konnte, und dann mümmelte sie mit vollen Backen weiter.
Sie hat aber den geschmack vonKohlrabiblättern so sehr geliebt, dass sie immer sehr lange mümmelte und so nie Bauchschmerzen hatte -alleskam bereits vollkommen zermümmelt an. Wahrscheinlich ist so sogar genau deshalb inihr Hochbettappartment gezogen, obwohl sie dadurch nicht mehr neben uns soooo lieben Gefährtinnen sitzen konnte... also Pluppsi war Langmümmlerin, hatte auch schlechte Backenzähne, aber immer eine tadellose Verdauung.
Ich dagegen, eure Anna Schelmenquirl, bin Blitzmümmlerin. Das Kohlrabiblatt wird abgenagt und alles sofort runtergeschluckt, ohne große Kohlrabiparfaitgenussphase wie bei Pluppsinchen, unserem Luxushäschen.
Beim Blitzmümmeln kann nun folgendes passieren - und genau daraus entwickelten wir unsere Kohlrabikriminalfall-Theorie:
Das Kohlrabiblatt wird von vorne nach hinten zernagt und verschluckt - die Zerlegung entspricht also der Fadenstruktur des Blattes. Kohlrabiblätter ihrerseits sind superut für unsere Verdauung, weil sie eine sehr stabile Struktur haben, die unseren Darm hübsch wach hält -wenn sie zerlegt ist ! Wird so ein Kohlrabiblatt aber blitzzermümmelt, ist es umgekehrt gerade ein Problem, dass die Pflanzenfädenso stabil sind - sie mogeln sich einfach unzerkaut in die Blitzschluckmasse. Dann hat der Magen das Problem, die Fäden aufzulösen. Und je mehr leckere Kohlrabiblätter in derMagensäure herumliegen, destokraftloser wirkt diese auf die innere Struktur der heruntergeschluckten Kolrabiblattgemümmelkugeln ein. Und genau so entstand offenbar mein Kettenköttelproblem!
Wir haben wir das herausgefunden: Ganz einfach und wieoben erwähnt: Kohlrabiblätter gibt es jetzt bei uns nur noch in ca drei Zentimeter breiten Streifen. Die Blätter werden quer durchgeschnitten, was nicht zu aufwändig ist, das Hasijom legt sie aufeinander und schneidet sie einfach mit einer Schere durch. RUMMS BUMMS ZACK PENG - ein superleckerer Salat auf unseren Tellern.
Auch andere Gemüse werden zerschnibbelt.
Uns was ist das Ergebnis: Kein tagelanger abartiger Bauchschmerz mehr! Ein gesundes, munteres Schelmchen, das auch nach dem Futtern vergnügt herumhüpft. Zunehmend weniger Flüssigprotest aus den schelmischen Darmgewinden, gesundere, weniger belastete Zähne.
Unser Fazit: Unglaublich, dass das Hasijom erst jetzt auf diese Idee kam. Aber euer Schelmchen ist im Wesentlichen gerettet.
Wichtig aber: Die zerschnittenene Kohlrabiblätter trocknen schnell aus. Also alle zwölf Stunden servieren -bzw. futtern - solange bleiben auch die Schnibbelstreifen frisch.
HAPPY & LOVE
Anna Schelm
Foto: Eure Mümmlerin "Mümmeln ja, aber wie?"